Hier sind ein paar Auszüge aus dem Interview mit Albert Hofmann anlässlich seines 100. Geburtstags (2006)
Link zum ganzen Interview (sehr interessant!):
Und ein paar Millionstel Gramm LSD verändern die Wahrnehmung dramatisch - es ist nicht nur einfach das bekannte Bild, ein bisschen verzerrter oder bunter, es ist ein völlig anderes Programm...
Albert Hofmann: Und das deshalb, weil LSD unsere Sinne verändert, man sieht besser, man hört besser, alles wird intensiviert. Insofern hatte auch Timothy Leary recht, wenn er behauptet, es sei auch das größte Aphrodisiakum. Der Mechanismus des LSD ist ganz einfach: Die Tore der Wahrnehmung werden geöffnet und wir sehen plötzlich mehr - von der Wahrheit...
Und das ist manchmal sehr verwirrend...
Albert Hofmann: Ja, man erschrickt. Man hat ein völlig anderes Bild und das kann einen furchtbar erschrecken. Deshalb sagen die Indianer ja: bevor ich den heiligen Pilz nehme, muss ich fasten, muss ich beten, muss ich rein sein - dann bringt mich der Pilz dem Göttlichen näher. Und wenn ich das nicht mache, tötet er mich oder macht mich wahnsinnig. Das haben die Indianer, lange bevor LSD und Psylocibin entdeckt wurden, gesagt - und die amerikanische Jugendbewegung, die es ja gut meinte, hat sich daran nicht gehalten, sie haben es zu oberflächlich genommen, sie haben sich nicht vorbereitet...
Wie steht Albert Hofmann zu dieser Art von LSD-Verwendung als Sterbebegleitung ?
Albert Hofmann: LSD wurde schon vor Jahrzehnten in dieser Richtung verwendet, bei sterbenden Krebskranken, wo selbst Morphine nicht mehr gegen die Schmerzen wirkten... Ich bin überzeugt, dass das künftig auch ein Thema werden wird, dass man mit LSD diesen Übergang erleichtern kann. ...
In den ersten zehn Jahren nach seiner Entdeckung galt LSD, unter dem Arzneinamen "Delysid", als wahres Wundermittel in der Psychotherapie. Dann kam das Verbot, die Dämonisierung als Teufelsdroge - und jetzt scheint das Pendel wieder zurückzugehen, zu größerer Akzeptanz. Selbst an der Harvard- Universität finden wieder LSD-Studien statt.
Albert Hofmann: Ja, das habe ich verfolgt. Es ist sicher ein Wandel. Vor allem weil man entdeckt hat, dass diese Pflanzen, in denen man schon vor 3.000 Jahren Stoffe wie LSD oder Psilocybin gekannt und benutzt hat, mit den Substanzen in unserem Gehirn, wie Serotonin*, sehr eng verwandt sind. ...¹